Stilübungen (12): Rückwärts

Die heutige "Stilübung" wird, wie es der Titel schon sagt, rückwärts erzählt. Aber Matt Madden erlaubt sich hier den Kunstgriff, der Szene zugleich eine vorwärts gerichtete Ebene zu geben, die aber mit der Geschichte nicht kollidiert, sondern ihre entgegengesetzte Erzählweise auf ganz natürlich Art einbettet.

Hier spielt der Comic eine Stärke zum Beispiel im Vergleich zum Film aus. Hier gab es in der Vergangenheit Filme wie Gaspa Noés "Irreversibel" oder auch Christopher Nolans "Memento", die auf erstaunliche (und spannende, verstörende) Art zeigte, welche dramatischen Effekte  mit einer sich rückwärts bewegenden Handlung erzielen können. Nur laufen die Filme selbst nicht rückwärts, es wurden hier einzelne Sequenzen gewissermaßen in umgekehrter Reihenfolge montiert. Man beginnt mit den Szenen, die eigentlich am Ende der Handlung stehen, und setzt danach einige Szenen an, die vor den zunächst gezeigten spielen und so weiter. Das mag sich etwas kompliziert anhören, wurde in den Filmen aber einleuchtend gelöst und in einen dramaturgischen Überbau eingebettet, der sich dem klassischen Spannungsverlauf wieder annäherte. Trotzdem: Es gab zeitliche Sprünge zwischen den einzelnen Sequenzen, die eben dort enden, wo die zuvor gezeigte ansetzte. Das erledigt der Comic, wie dieses Beispiel zeigt, viel galanter. Es ist hier einfacher, Handlungen rückwärts zu zeigen, da die Bewegungen quasi beiläufig im Kopf des Betrachters stattfinden. Ein sich rückwärts bewegender Mensch im Film ist befremdlich, hier löst es keine Irritationen aus.

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