Stilübungen (22): Manga

Wie unschwer zu erkennen, variiert Matt Madden in der heutigen "Stilübung" die bekannte Situation im Manga-Stil. Und wie bei anderen Stilen auch, die in dieser Reihe zu sehen sind und noch zu sehen sein werden, geht es mehr um einen allgemeinen Eindruck und die Vorstellung verschiedener Stilelemente als um eine genaue Typologisierung aller Comics, hier der aus Japan. Die Stile von Gosho Ayoama, Chihiro Arumi, Jiro Taniguchi, Shintaro Kago, Shiriagari Kotobuki und Yuichi Yokoyama lassen sich abgesehen von der Original-Leserichtung nur schwer auf einen Nenner bringen. Deswegen ist "Manga" streng genommen auch kein Stilbegriff, auch wenn er landläufig so verwendet wird, sondern sagt erst einmal nur, dass der Comic aus Japan stammt.

Wenn daher in der heutigen Variation typische Stilelemente, die häufig in Mangas verwendet werden, verwendet werden, dann ohne Anspruch auf Vollständigkeit oder absolute Wahrheit über das Wesen des Mangas. Auch diese Stilübung ist eine erkenntnisreiche Spielerei. So ist hier die Leserichtung umgekehrt und die Seite von rechts oben nach links unten zu verfolgen. Die Soundwords sind so gestaltet, dass sie nicht nur den Laut durch das Wort selbst, sondern auch durch ihre Form beschreiben. Panelformen sind dynamisch gestaltet. Panelfolgen geschehen häufig "von Gegenstand zu Gegenstand" (nach McColoud). Close-ups folgen dicht aufeinande. Hintergründe werden recht naturalistisch dargestellt, die Geschichte dagegen reduziert. Und, ja, das hier zu sehende voyeuristische Moment bezüglich weiblichen Charakteren ist vielen Mangas nicht fremd (Erst kürzlich war mir das wieder aufgefallen).

Es soll immer noch Comicleserinnen und -leser geben, die bisher einen Bogen um Mangas machen. Es sind keine Comics vom anderen Stern, nur mit eigenen Charakteristika, die aber auf ganz unterschiedliche Arten und für unterschiedlichste Geschichte verwendet werden können.

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