Stilübungen (31): Ein Panel

In der heutigen Stilübung steht die Erzählökonomie im Mittelpunkt: Matt Madden schildert die bekannte Szene heute in einem einzigen Panel. Das ist, wie man sieht, möglich: Alle wesentlichen Handlungsmerkmale, die man braucht, um diese Szene zu verstehen, sind vorhanden. Auch in dieser extrem gerafften Form, versteht man, dass es die Frage nach der Uhrzeit ist, die den vor dem Kühlschrank stehenden Matt so weit irritiert, dass er vergisst, was er dort eigentlich wollte. Dafür musste vieles anders arrangiert werden: Zum Beispiel stehen hier die "..." in einer Sprechblase für eine kurze Zeit, die verstreicht. In der ursprünglichen Geschichte (hier noch einmal links zu sehen) verbringt Matt ein Panel schweigend vor dem geöffneten Kühlschrank. Ein cleverer Schachzug ist auch, Matt hier von hinten zu zeigen: Durch diese neutralisierende Darstellung wirkt es nicht irritierend, müsste er doch eigentlich verschiedene Mimiken zeigen: Wenn er Jessica die Zeit nach oben ruft und dann irritiert feststellen muss, dass er darüber seine eigentliche Motivation vergessen hat. Das ist hier elegant zusammengefasst.

Neben der Mimik geht noch mehr verloren: Zum Beispiel die Bewegung durch den Raum und der Blick auf die Uhr. Betrachtet man den "schlafenden" Computer im Vordergrund, wird nicht klar, dass Matt zuvor daran gesessen hat. Zudem war sein Arbeitsraum ursprünglich im ersten Stock. Trotzdem: Die kurze Szene mit den wichtigsten Handlungselementen ist weiterhin vorhanden, die Geschichte funktioniert auch so.

Diese Szene illustriert sehr anschaulich, mit welchen Fragen sich Comic-AutorInnen in der täglichen Arbeit beschäftigen müssen. Auch wenn man sich für einen Stil entschieden hat und weiß, welchen Ton die Geschichte haben soll, gilt es die ganzen Handlungselemente der Szenen sinnvoll anzuordnen: Was muss man zeigen, damit die Handlung verständlich wird? In wie viele Einzelschritte will man eine Szene aufteilen? Wie viel Text muss wo wie eingefügt werden? Und wie gibt man dabei dem Gezeigten die gewünschte Atmosphäre?

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Viel Inhalt, dazu eine Aussage und das in einem Bild, also auf kleinstem Platz: Darum geht es bei Karikaturen und Cartoons. Wie treffend – und für Außenstehende häufig missverständlich – das von den Mitarbeitern bei Charlie Hebdo häufig gemacht wurde, zeigt unter anderem dieser Blog.

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