Stilübungen (39): Palindrom

"O Genie, der Herr ehre Dein Ego!" – Wortpalindrome, also Wörter, die vorwärts wie rückwärts gelesen Sinn machen (z.B. Lagerregal) gibt es nicht besonders viele und Satzpalindrome sind bereits eine Kunst für sich. Und einen Comic als Palindrom anzulegen, wie Matt Madden es in der heutigen Stilübung macht, erfordert ebenfalls eine Menge an Übersicht und Kreativität. Aber wie sich oben zeigt, brauchte es in diesem Fall gar keine große Veränderung, damit das auch mit unserer Vorlage funktioniert

Immer wieder haben sich Künstler auf die ein oder andere Art an Palindromen im Comic versucht. Manchmal war es nur eine Fingerübung, wie das unten zu sehende Beispiel von Lewis Trondheim zeigt, das er für einen Comicband der OuBaPos anfertigte ("Oupus 3"), in dem – ähnlich wie in den "Stilübungen" – verschiedene Gestaltungsprinzipien oder Einschränkungen in Comicform durchexerziert wurden. Aber es gab auch ganze Geschichten oder Comicbände, die das Prinzip aufgriffen: So lassen sich die Alben "Nogegon" von Luc & François Schuiten und auch "Der Anfang vom Ende" von Marc-Antoine Mathieu von beiden Seiten aus lesen.

Eine Abwandlung des Palindrom-Prinzips war Grundlage für den Strip "The Upside Downs of Little Lady Lovekins and Old Man Muffaroo" von Gustave Verbeek, in dem sich die gesamte Geschichte jeweils erst durch doppelte Lektüre ergab: zunächst ganz normal, dann einmal um 180º gedreht. Ein erstaunlicher Effekt, den Verbeek zwischen 1903 und 1905 in 64 halbseitigen Strips verwandte. Dazu auch ein Beispiel:

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Weitere Links:
Palindrom-Comics von François Ayroles (übersetzt von Matt Madden) und von Alanna Stapleton.
Abbildungen © L'Association – Lewis Trondheim

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