Stilübungen (52): Induktionsübungen (nach Scott McCloud)

Die Veröffentlichung von Scott McClouds "Comics richtig lesen" liegt nun auch schon über 20 Jahre zurück. Die deutsche Erstausgabe erschien 1994, das englischsprachige Original bereits 1993. Neben vielen weiteren grundsätzlichen Gegebenheiten des Comics, seine verschiedenen Ausdrucksforment und Stilmittel, ist das Konzept der "Induktion (engl. closure) ein Herzstück von McClouds Erklärung, wie der Comic funktioniert. Er geht von der grundsätzlichen menschlichen Fähigkeit aus, Leerstellen zu füllen: Man sieht jemanden nicht, weiss aber, dass er da ist, unvollständige Eindrücke werden von uns gefüllt: "Das Ganze erkennen, obwohl wir nur Teile davon wahrnehmen" (McCloud, S 71). Ohne die Induktion könnte man als Leser nicht von einem Panel zum nächsten springen, ohne den Faden zu verlieren. McCloud definierte sechs Arten, wie die Induktion im Comic technisch umgsetzt wird: Als Panelübergänge. Und hier setzt Matt Madden in der heutigen Stilübung an, indem er Beispiele für die verschiedenen Arten der Übergänge aus dem eigenen Comic gibt. Für sich stehend ist das schon sehr schlüssig, hier gibt es noch etwas mehr Informationen dazu und in "Comics richtig lesen" geht McCloud noch weiter auf Anwendungsmöglichkeiten ein.

Zuletzt habe ich in einer knappen Buchvorstellung einen Blick auf McClouds neues Buch "Der Bildhauer" geworfen, um zu sehen, wie er sich selbst als Comic-Erzähler schlägt, nachdem er sich so lange theoretisch mit der Materie befasst hatte. Um es kurz zu machen: Er weiss sehr gut mit den selbst definierten Stilmitteln umzugehen.

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