Stilübungen (53): Still! Üb Lange! (nach George Herriman)

Eine weitere Lieblings-Stilübung: Die Katze, die Maus, der Hund – und zwischen ihnen eine vertrackte Liebeskonstellation. Daraus machte der Amerikaner George Herrimann zwischen 1913 und 1944 einen Strip, der mit seinem sprachlichen Einfallsreichtum und seiner zeichnerischen Virtuosität zum Größten gehört, was der Comic je hervorgebracht hat: "Krazy Kat". Die Katze Krazy liebt die Maus Ignatz, Ignatz ist an einer Erwiderung aber nicht interessiert und wirft Krazy viel lieber Ziegelsteine an den Kopf. Das ruft Offisa Pupp auf den Plan, der seinerseits Krazy beschützen will und Ignatz regelmäßig in den Knast wirft. So die Grundkonstellation.

Dass "Krazy Kat" in Deutschland leider kaum veröffentlicht wurde (und wenn, dann ohne großen Erfolg: Carlsen stellte eine Ausgabe Anfang der 1990er nach zwei Bänden ein), hat viele Gründe: Schon die Ausgangssituation, die von Herriman immer neu dargestellt und nur bedingt variiert wird, mag Vielen nicht gerade als Ereignis erscheinen, an dem man andocken kann. Dann verschreckt die Sprache gerade Krazy Kats, eine Art Einwanderer-Amalgam mit verschiedensten Einflüssen, den Nebenbei-Leser, obwohl sie hochmusikalisch und oftmals witzig getextet ist. Und die Landschaft Coconinos, in der das alles spielt, wird von Herriman als sich ewig verändernde, am amerikanischen Südwesten angelehnte Landschaft gezeigt: Oftmals leer, hier und da ein Felsen oder ein Baum, die im nächsten Panel aber schon wieder weg sind. Passend dazu gestaltete Herriman die Sonntagsseiten frei nach Tuschestift, ohne Orientierung an Panels oder einem Seitenraster. Doch gerade all das, die minimal variierte grundlegende Situation der nicht-erwiderten Liebe, die oft lyrischen Spracheinfälle und die immer wieder überraschenden, visuellen Ideen machen aus "Krazy Kat" einen Klassiker.

–––
Weitere "Krazy Kat"-Strips finden sich auf comicstriplibrary.org und ignatzmouse.net.
Bis sich ein Verlag für eine neue deutschsprachige Ausgabe findet, muss man zum Beispiel mit der – von Chris Ware hervorragend gestalteten – Ausgabe von Fantagraphics Vorlieb nehmen
Wer sich mit "Krazy Kat" auseinandersetzen mag, findet hier weitere Lektüre: "Der intellektuelle Witz im Comic am Beispiel von George Herrimans 'Krazy Kat'" von Daniela Kaufmann erschien 2008 im Laykam Verlag

Twitter icon
Facebook icon
Google icon
Pinterest icon