Stilübungen (68): Ein Leben

Ein ganzes Leben auf einer Seite? Im Comic kein Problem. Die enormen Zeitsprünge zwischen den Panels werden in die durchgehende Handlung elegant eingebettet.

Pierre Oscar Lévy und Frederik Peeters haben aus der Idee der rasanten Alterung der Figuren das existenzialische Drama "Sandburg" entwickelt, das die Idee dieser Stilübung aufgreift. Eine direkte Verwendung dieser Variation ist auch in einer Art Kurzbiografie denkbar, in der eine Person alternd in einer für sie typischen Situation gezeigt wird: Ein Schuhmacher in seiner Werkstatt, so etwas.

Zeitsprünge werden im Comic gerne so inszeniert, dass auf ein Panel ein sehr ähnliches Panel folgt, in dem sich einzelne Elemente verändert haben, die ein Vergehen der Zeit anzeigen: Der Klassiker hierfür ist sicher Robert Crumbs "Eine kurz gefasste Geschichte Amerikas", das sogar immer die gleiche Ansicht im Wandel der Jahre und Jahrzehnte zeigt.

Eine ebenfalls sehr elegante Art, Zeit und Raum im Comic zu verschränken, hatte Frank King mehrfach in seinen "Gasoline Alley"-Sonntagsseiten aufgezeigt: Hier bewegen sich die Figuren im Verlauf der Geschichte an einem bestimmten Ort, die Ansichten in den einzelnen Panels setzen sich, wenn man die gesamte Seite betrachtet, zu einem Gesamtbild zusammen. Wie in diesem Beispiel aus dem Jahr 1934:

Das mag auf dem ersten Blick nicht mehr viel mit der oben gezeigten Stilübung Matt Maddens zu tun haben, illustriert aber ebenfalls wie vielfältig sich Zeit im Comic inszenieren und mit dem Raum (der Comicseite) verschränken lässt, ohne dabei eine lineare Handlung zu vernachlässigen.

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