Stilübungen (7): Soundeffekte

Wie unschwer zu erkennen, geht es in der heutigen "Stilübung" um das Thema "Soundeffekte", oder auch "Soundwords" oder fachmännisch "Onomatopöeien". Sie sind ein wichtiges Comic-Stilmittel, da sie die Töne nicht nur darstellen, sondern durch ihre eigene Gestaltung den Charakter eines Panels oder Comics unterstreichen und formen können. Matt Madden setzt sie hier recht zurückhaltend ein, gibt ihnen aber ein individuelles Aussehen, das mit dem Klang, den sie darstellen sollen, harmoniert – vom klein gehaltenen, leisen "tick tick tick" in der Seitenmitte zum gleichförmigen Kühlschrank-"summmm..." auf einer Linie im letzten Panel.

Autoren wie Jacques Tardi, Chris Ware, Guy Delisle oder Art Spiegelman setzen Soundeffekte nur sehr zurückhaltend ein, und lassen ihre Comics weitgehend "in Ruhe". Spielerischer geht zum Beispiel Mawil vor, zum Beispiel mit seinem charakteristischen "gsch". Auch wenn in Action-Manga und Superhelden-Comics die ganze Bandbreite der Soundwords sichtbar werden kann, heisst das nicht, dass es immer so sein muss: "All-Star Superman" von Grant Morrison und Frank Quitely kommen weitgehend ohne Soundwords aus, die Batman-Comics von Jeph Loeb und Tim Sale (z.B. "Das lange Helloween") verzichten sogar gänzlich auf deren Verwendung.

Bekannteste deutsche Schöpferin von Soundwords ist natürlich die Übersetzerin Erika Fuchs, die verkürzte Verben aber nicht nur als Soundersatz verwendete ("stöhn", "klimper"), sondern auch lautlose Vorgänge wortreich illustrierte ("grübel").

Sehr schön: Das Lieblings-Soundword des leider verstorbenen Übersetzers Kai Wilksen (und mir ist leider entfallen, auf welchen Comic, er sich bezog) war das "Ulfk", angelehnt an den Wuppertaler Autoren.

Der unbestrittene König der Soundwords ist, bzw. war der Amerikaner Don Martin, der vor allem für seine Kurzcomics bekannt sind, die zwischen 1956 und 1977 in MAD erschienen (und in zwei Sammelbänden vorliegen). Die Arbeit seines deutschen Übersetzers Herbert Feuerstein gilt es noch zu würdigen.

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