Stilübungen (70): Der Kritiker

Der Comic über den Comic: Der Kritiker referiert in der heutigen Stilübung, was er in den einzelnen Panels der Szene erkennt, in der Matt Madden vergisst, was er im Kühlschrank sucht. Und das ist eine ganze Menge. Sogar so viel, dass er sich gegen Ende verzettelt und selbst nicht mehr zu wissen scheint, worauf er eigentlich hinaus wollte.

Es wird viel über Comics geschrieben, in der Seitenleiste ist es mir kaum möglich, alle Rezensionen aufzuführen, die in den Medien veröffentlicht werden. Ein gutes Zeichen eigentlich, denn das war vor einigen Jahren noch anders, als es noch nicht so viele Websites gab, die Comics rezensieren und weitere Medien, in denen sie erwähnt werden. Bei den vielen Texten, die über Comics erscheinen, stechen diejenigen heraus, die mehr versuchen, als nach einer Inhaltswiedergabe zu sagen, ob die vorliegende Geschichte nun gut oder schlecht ist. Man kann sich, wie der Kritiker oben, an einer Art close reading versuchen, also der Interpretation bezeichnender Stellen, um hervorzuheben, wie der oder die AutorIn insgesamt arbeitet. Man kann den Comic in verschiedenste Zusammenhänge einbinden, zum Beispiel in die Kontexte anderer Comics oder Medien zu einem Thema, stilistisch verwandte Comics oder bestimmte Marktentwicklungen. Ganz interessant wird es, wenn der Comic Anlass zu einem Essay gibt, der um ein Thema kreisen kann oder eine Idee entwickelt, in dem der Comic immer wieder als Beleg herangezogen wird. Hier kann die Kritik über die reine Buchvorstellung und Daumen-hoch-Daumen-runter-Schema hinauswachsen – und es ist immer erfrischend, als Leser auf diese Art mitgenommen zu werden, selbst wenn der Autor sich, wie der Kritiker oben, ein wenig verrennt.

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