Stilübungen (92): Was stimmt mit diesem Comic nicht?

Ein verunsicherndes Gefühl stellt sich ein, irgendetwas stimmt hier nicht. Eigentlich lag da doch ein anderer Hut auf dem Kühlschrank... Spricht man über Konsistenz im Comic, zum Beispiel durch die Beibehaltung von Gestaltungsweisen und des Erzähltons, die beide natürlich gemäß der Geschichte angepasst werden, darf auch eine bestimmte Logik nicht vergessen werden, die man im Film Continuity oder Anschluss nennt. In den aufeinanderfolgenden Bildern sollten zum Beispiel Gegenstände im Hintergrund ihre Position behalten oder Kranke ihre Krücke nicht mal rechts und mal links benutzen. Beim Film werden dafür häufig eigene Mitarbeiter angestellt, Comiczeichnerinnen und -zeichner müssen selbst aufmerksam sein. Und zusätzlich das grundsätzliche zeichnerische Können mitbringen, damit nicht eine zu große Variation zum Beispiel bei den Gesichtern für Verwirrung sorgt.

Einen Sonderfall bei Comics sind die Problemstellungen der Continuity großer Erzählungen, zum Beispiel der zusammenhängenden Superhelden-Universen von Marvel und DC. Hier geht es vor Allem um inhaltliche Konsistenz, denn schon durch die Vielzahl der monatlich erscheinenden Titel muss auf Grundsätzliches aufgepasst werden. Dass ein kürzlich im einen Heft gestorbener Charakter nicht in einem anderen wieder auftaucht als wäre nichts gewesen. Solche Sachen. Auch um die Erzählungen, die oftmals über Jahre und Jahrzehnte gewachsen sind, für Neueinsteiger interessant zu machen, greifen die Verlage immer wieder (und immer öfter) zum Mittel des Reboots, also des Neustarts einer Serie oder des ganzen Erzählkosmos, um auf die unübersichtliche Vielzahl von Details, die frühere Erzählungen mit sich brachten, nicht mehr achten zu müssen.

In der heutigen Stilübung wird aber kein Universum neu erfunden, es gibt jeweils zwei Änderungen in jedem Panel zu entdecken. Viel Spaß beim Suchen!

 

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