Zines! Zines! Zines!

Günter Sahler veröffentlicht derzeit auf seinem Blog Artikel, in denen er sich mit der Geschichte der deutschen Amateur-Comicszene beschäftigt. Auf ein Interview mit Detlef Surrey folgte nun ein Gespräch mit Hannes Rall, beides wichtige Vertreter der Zeichner- und Heftszene der 1980er. Beide waren gut vernetzt, Surrey arbeitete unter anderem mit Hansi Kiefersauer, Thomas Bunk und Gerhard Seyfried an gemeinsamen Projekten, in den von Rall herausgegebenen Heften erschienen Comics unter anderem der Dinter-Brüder, von denen Stefan Dinter heute noch als Zwerchfell-Co-Verleger aktiv ist. In einem weiteren Artikel stellt Sahler eine Reihe von Amateur-Comics der 70er und 80er vor. Wie auch schon in den autobiografischen Comics von Tom Bunk werden hier interessante Einblicke in die gut vernetzte Comic-Szene vergangener Tage gegeben. Tatsächlich haben viele, die heute im Comic-Bereich tätig sind, einen Hintergrund als Zine-Zeichner oder -Macher, was schon wieder einen eigenen Artikel wert wäre. Heute erscheinen längst nicht mehr so viele Amateur-Veröffentlichungen wie noch in den 1980ern (den Manga-Bereich mal ausgenommen), vieles ist ins Netz abgewandert, in dem sich mit weniger Aufwand eine potenziell viel größere Leserschaft erreichen lässt.

Trotzdem freut es mich immer besonders, gedruckte Hefte zu sehen, wobei ich meine Argumente, warum ich gedruckte Amateur-Comics immer noch elektronischen Veröffentlichungen vorziehe, gar nicht verallgemeinern möchte: "Natürlich" sind sie verbindlicher, da sie einen höheren Einsatz erfordern. Man investiert Zeit und Geld in die Aufbereitung der Vorlagen, ins Drucken, in den Selbstvertrieb und so weiter. Zudem bieten sie weiterhin das Potenzial "individuellerer" Aufmachung (Papier, Format, Druck, Gimmicks). Ich setze das in Anführungszeichen, weil es genug Gegenbeispiele online gibt, die mich da wiederlegen. Am Ende kommt man doch wieder beim guten Alten "Ist halt was anderes." heraus. Wobei, das nur als ideologischer Seiteneinwurf, man darüber hinaus zu Bedenken geben kann, dass es mit  Facebook, Instagram, tumblr und anderen von Comic-Machern gern genutzten Seiten eben Privatfirmen sind, denen man die eigenen Inhalte gewissermaßen zum Vertrieb gibt. Firmen, die sich als solche nur dann bemerkbar machen, wenn sie nicht mehr funktionieren oder übergriffig werden (und sich zum Beispiel das Recht einräumen, über die eingestellten Inhalte selbst weiträumig verfügen zu dürfen). Hier nun wieder zwei neue Hefte:

Erst gestern hatte ich auf die neuen Veröffentlichungen von Jo Lott und Jeff Chi hingewiesen, heute ergänze ich meine Selbstveröffentlichungs-schaut-mal-her-Liste gerne um das neue Beton-Heft und "Comics verbinden – Unsere Kontinente stellen sich vor" von Michel Esselbrügge, Victor von Boltenstern, Robin Vehrs und Daniel von Bothmer.

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Foto © Guenther Sahler

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