Stilübungen (17): Unzuverlässiger Erzähler

Ein weiteres, einleuchtendes Beispiel für die besonderen Ausdrucksmöglichkeiten des Comics liefert Matt Madden in der heutigen "Stilübung", in der es um den unzuverlässigen Erzähler geht. Text und Bild ergänzen sich hier auf ganz eigene Art zu einem Leseeindruck, denn, wie man sehen kann, besteht hier eine gehörige Diskrepanz zwischen dem, was der Text zum Ausdruck bringt, und dem, was die Bilder zeigen. Wobei es hier nicht nur eine Abweichung ist, sondern zum Teil um den direkten Widerspruch, auf den es im letzten Panel hinausläuft.

Durch diese Art der Darstellung kann man zum Ausdruck bringen, dass der Erzähler bewusst eine Situation falsch schildert oder sich einfach nicht richtig erinnert, das kommt auf den Kontext der Geschichte an. Interessant ist hierbei, dass man dem Bild in höherem Maß zugesteht, die Situation akkurat darzustellen, als dem Text, dem man eher unterstellt, dass in ihm eine mögliche Falschaussage steckt.

Man kann auch noch weiter gehen und dem Comic grundsätzlich unterstellen, unzuverlässig zu erzählen, gibt es doch immer Leerstellen, die es zu füllen gibt. Und bei aller Steuerung und Verlässlichkeit, dass jede Leserin und jeder Leser den Zwischenraum der Panels auf gleiche Art mit Inhalt füllt, gibt es da keine letztliche Sicherheit. Comics sind ihrer Natur nach voller Lücken und unvollständig, der Erzähler – hier im Sinne des Autoren – ist daher zangsläufig mehr oder weniger unzuverlässig.

Im vergangenen Jahr hat die Gesellschaft für Comicforschung einen "Roundtable zum unzuverlässigen Erzählen im Comic" durchgeführt. Wer sich detaillierter mit dieses Thema auseinandersetzen will, kann die Beiträge der TeilnehmerInnen weiterhin online lesen.

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