Stilübungen (23): Militärübung

Mit der heutigen "Stilübung" ziehen wir in den Krieg. Nein, nicht wirklich, nennen wir es eine Militärübung. Aber es ist nicht zu leugnen, dass Comics sich oft auch mit den unterschiedlichsten Facetten des Kriegs und seinen Wirkungen beschäftigt hat. Dabei stand nicht selten die Hervorhebung von Oberflächenreizen im Vordergrund: Action, Geballer. Und auch dabei, in der Darstellung rasanter Szenen mit gewaltigen Explosionen und enormer Geschwindigkeit haben Comics die stärken des Mediums ausspielen können und Eindrücke davon vermittelt, wie ein Krieg vor sich geht. Häufig natürlich im komplett fiktiven Rahmen, in Fantasyreichen oder Weltraumkriegen. Nicht selten spielen sie auch vor zeitgeschichtlichen Hintergrund wie die derzeit verlegten Comics, die sich mit verschiedenen Facetten des Ersten Weltkriegs auseinandersetzen.

In Veröffentlichungen wie "Tagebuch 14-18" oder den Büchern von Jacques Tardi geht es um die schrecklichen Auswirkungen des Kriegs – und das Innenleben der Protagonisten steht weiter im Vordergrund als heroisch dargestelltes Kriegsgeschehen. Wie sich Comics perfekt dafür verwenden lassen, um die Doppelbödigkeit des Geschehens darzustellen, zeigen auch einige Kriegscomics des US-Verlags EC. Gerade Harvey Kurtzman verstand es hier in Personalunion als Autor und Zeichner, die inneren und äußeren Verheerungen des Krieges auf fesselnde Art festzuhalten: Zum Beispiel schaffte er es so die innere Zerrissenheit zwischen Überlebens- und Widerwillen der Protagonisten durch geschickte Erzählweise erfahrbar zu machen. Beispielhaft dafür steht die Geschichte "Corpse on the Imjin!" (Ausschnitt unten), die ihre Eindringlichkeit aus der Nähe des Erzählers im Text zum Geschehen bezieht: Er spricht mit dem "Du" den Protagonisten an – der sich mit der Situation konfrontiert sieht, einen gegnerischen Soldaten eigenhändig umbringen zu müssen –, womit man aber zugleich auch als Leser angesprochen wird und eine noch intensivere Nähe zur Handlung aufgebaut wird: Das Grauen wird auf erschreckende Art subjektiv erfahrbar.

Darauf bezieht sich Matt Madden in seiner Variation: Auch hier will der Protagonist kein "Killer" sein. Wie sich herausstellt, befindet er sich aber nicht in der Lage, das nicht geschehen zu lassen.

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