Stilübungen (54): Ligne Claire

Klare Farben, keine Schraffuren und der klare, weitgehend auf die Konturen reduzierter Strich: Wie für geübte Comic-Leserinnen und -Leser unschwer zu erkennen, variiert Matt Madden in der heutigen Stilübung die bekannte Szene im Ligne Claire-Stil. Bekanntester Vertreter ist bis heute "Tim & Struppi"-Erfinder Hergé, der diesen Stil popularisierte und perfektionierte. Der Stil erlebte seine Ups und Downs, schien Künstlern schon in den 1960ern angejahrt, nur um dann in den 1970ern schon wieder von Künstlern wie Yves Chaland und Joost Swarte – auf den der Begriff übrigens zurückgeht – wiederentdeckt zu werden.

Und ob sich Künstler bei ihr bedienen oder ganz klar in diesem Stil arbeiten: Die Ligne Claire ist auch heute noch präsent. Bekannteste Vertreter im deutschsprachigen Raum, sind Ulf K. ("Der Anfang nach dem Ende") und Christophe Badoux, der mit "Stan the Hooligan" einen regelmäßigen Fussball-Strip um den Fan des FC Zürich veröffentlicht (Texte: Gamma, siehe links). Daneben sind aus Europa der Niederländer Pieter van Dongen, der derzeit an einem Nachfolger zu "Rampokan" arbeitet, und der Brite Garen Ewing ("Die Regenbogenorchidee") zu nennen. Einflüsse finden sich auch bei Vertretern aus Übersee, ob bei den beinahe geometrischen Formen Chris Wares ("Jimmy Corrigan") oder den bei aller Hyperdetailliertheit stark konturierten Comics von Geof Darrow ("Hard Boiled").

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"Stan the Hooligan" © Christophe Badoux

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