Skizzenbuch (16): Ulf Salzmann

Streng genommen dauert es noch bis zum September, aber da zum Comic-Salon bereits ein Jubliäumsband erscheint, gratuliere ich auch Ulf Salzmann auch jetzt schon ganz herzlich zu 10 Jahren „Flausen“!

Seit 2006 veröffentlicht der Weimarer auf flausen.net seine Kurzcomics, mit denen er mal mehr, mal weniger direkt aus seinem Leben berichtet. Alltagsszenen stehen neben Philosophischem – und dann war da noch der treue Begleiter, die „Angst“, die es zwischenzeitlich auch als Stofftier gab. Auch in seinem Hauptberuf spielt Zeichnen eine wichtige Rolle: Ulf Salzmann arbeitet als Architekt, veröffentlicht aber zusätzlich noch einen regelmäßigen Strip in der Thüringischen Landeszeitung, nimmt an vielen Zeichenaktionen teil und ist Koordinator des Kurt Schalker-Kommittees, das auch in diesem Jahr am Rande des Comic-Salons wieder den „Lebensfenster“-Webcomic-Preis verleiht.

Ulf Salzmann gibt im Interview einen Einblick in seine krative Tätigkeit, zeigt seinen Arbeitsplatz und viele Seiten aus seinen Skizzenbüchern. Dutzende Seiten finden sich unten, bzw. direkt in der flickr-Galerie.

„Flausen“ erscheint zunächst online, da denkt man natürlich, dass die Comics auch am Computer entstehen, stimmt´s?
Nein, das stimmt nicht. Ich bin noch analog sozialisiert und zeichne meine Strips klassisch per Hand auf 190g Papier. Für mich ist der Prozess des manuellen Zeichnens, der Duft der Tusche und die Haptik des Papiers ein ganz wichtiger Bestandteil der Arbeit an meinen Comics. Mit einer selbst gebauten Schablone aus Pappe, die jetzt schon 10 Jahre alt ist, gebe ich die Panel-Rahmen vor. Dann setze ich normalerweise den Text und die Sprechblasen. Danach zeichne ich die Panels mit einem blauen Druckbleistift 0,7mm vor. Getuscht werden die Strips dann entweder mit Feder und Tusche oder mit Fineliner und Pinselstift. Jetzt wird es doch digital: Ich scanne die Zeichnung ein, setzte das Lettering mit einem Font und coloriere das ganze im Photoshop. Viele meiner Strips erscheinen übrigens zuerst als Zeitungsstrip in der Thüringischen Landeszeitung, in der ich eine wöchentliche Kolumne zeichne.
Einige Beispielbilder vom Making Of meiner Comics kann man sich auf meiner facebook-Seite anschauen.

Mit Familie und Beruf bist Du zeitlich recht eingespannt, findest Du dabei noch Zeit zum Skizzieren und Draufloszeichnen? Oder ist das für Dich eher weniger interessant?
Das technische und gestalterische Skizzieren gehört zu meinem täglichen Handwerk als Architekt, als der ich ja hauptberuflich arbeite. Allerdings ist dieses Skizzieren ein anderes, als das freie Draufloszeichnen im Skizzenbuch. Mein Skizzenbuch habe ich immer dabei, um schnell Ideen festzuhalten und meine Strips auszuprobieren und vorzutexten. Außerdem emfinde ich das urbane Skizzieren als sehr entspannend. Leider komme ich dazu relativ selten. Mit ein paar befreundeten Zeichnern veranstalten wir in der Kreativetage regelmäßig Treffen, bei denen wir zusammensitzen, schwatzen, an Projekten arbeiten und skizzieren. Das genieße ich sehr. Ich zeichne sehr gerne Menschen und Landschaften. Man nimmt sich für eine Zeichnung viel mehr Zeit, als z.B. für ein Foto. Man kann mit dem Gegenüber in Zwiesprache treten, sich kennenlernen, Natur und Umwelt auf sich wirken lassen... Ich finde, das ist ein sehr sympatischer Zugang zum Leben.
Neben den Scans aus meinen Skizzenbüchern kann man sich auch auf meiner facebook-Seite einige Beispiele meiner Zeichnungen anschauen und etwas Luft vom Skizzenfestival Weimar aus dem jahr 2014 schnuppern. Meine Skizzenbücher dienen auch oft einfach für Doodles, von denen man ebenfalls dort einige Beispiele sehen kann.

Wenn Du Dir deinen ersten „Flausen“-Comic vom September 2006 (siehe oben links, daneben der aktuelle Strip) noch einmal ansiehst, was sind Deine ersten Gedanken?
Ich bin erstaunt, wie wenig sich seither im Ausdruck der Strips verändert hat. Die Zeichnungen sind mit der Zeit immer krakeliger, aber auch grafischer geworden. Die Natur und die Jahreszeiten waren damals schon ein von mir sehr geliebtes Themengebiet.

Stilistisch bist Du Dir über die Jahre treu geblieben, gab es über die Jahre Veränderungen im kreativen Prozess, der zu einem Strip führt?
Der kreative Prozess ist eigentlich der gleiche geblieben. Man beobachtet wach und interessiert seine Umwelt und "scannt" sie nach Ideen. Danach folgen Notizen und Skizzen. Manchmal setze ich mich auch einfach hin und habe noch gar keine Idee. Dann lasse ich meine Gedanken treiben... Naja, bishr ist mir immer noch etwas eingefallen, haha. Aber wie hat Leo Leowald einmal sinngemäß geschrieben: „Man muss auch einige schlechte Strips machen, damit ein guter Strip entstehen kann.“

Thema Lettering: Vor rund zwei Jahren hast Du begonnen, das am Computer zu machen statt Deine Handschrift zu verwenden. Vermisst Du die eigene Note im Textbild?
Als ich noch Handlettering betrieben habe, wurde ich dafür kritisiert. Seit dem ich Computerlettering anwende, werde ich von den gleichen Leuten dafür kritisiert – man sieht, wie man es macht, macht man es verkehrt, haha. Ich persönlich bin froh, daß ich jetzt nicht mehr den Inhalt der Sprechblasen erklären muss. Aus meiner Sicht sehen durch das neue Lettering die Strips professioneller beziehungsweise runder aus. Das Handlettering hat den Strips natürlich eine viel größere persönlichere Note gegeben und wirkte grafischer. Aber im Endeffekt ist es mir wichtiger, daß die Leser meine Strips verstehen.

Der zehnte Geburtstag wird mit einem „Flausen“-Sammelband gefeiert, hast Du bestimmte Pläne für die Zukunft?
Derzeit arbeite ich an einer Fortsetzung meines Buches „Pillen, Rusz & Ratten“, welches im Gegensatz ernste autobiografische Kurzgeschichten beinhaltet.
Ansonsten lasse mich einfach treiben, schaue was da kommt und versuche mir die Freude am Zeichnen zu bewahren.

Ulf Salzmann im Netz: flausen.netfacebooktwittergoogle+instagram

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Abbildungen & Fotos © Ulf Salzmann
 

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